Findung eines Standortes für ein Atommüllendlager,  möglicherweise in Ostbelgien?

Durch den Beschluss des föderalen Ministeriums für Energie, dass ein Ausstieg aus der Atomenergie beschlossen wurde (durch das Ministerium für Energie, vertreten durch Frau Ministerin Tinne Van der Straeten) besteht die Notwendigkeit einen Atommüllendlager-Standort zu finden.

Mögliche Standorte

Erdbeben, BiHU, Atomendmülllager, Tinne Van de Strraeten

Auf der Suche nach einem Standort für ein Atommüllendlager für die dauerhafte Lagerung der radioaktiven Abfälle auf dem Staatsgebiet des Königreiches von Belgien wurde erwogen, im Bereich von Ostbelgien mögliche Standorte durch die Nationale Instelling voor Radioactief Afval en Verrijkte Splijtstoffen (NIRAS) (Nationale Agentur für radioaktive Abfälle und angereicherte spaltbare Materialien) zu überprüfen.

 

Auf der hier aufgeführten Karte sind die in Prüfung befindlichen Standorte aufgeführt.

 

Der Rahmen für eine solche Entscheidung wird unter anderem durch die nationalen und internationalen gesetzlichen Rahmenbedingungen gesteckt. Belgien ist Mitglied der International Atomic Energy Agency (IAEA) in Wien, Österreich. Diese weltweit arbeitende Organisation gibt die Standards vor, die für die jeweiligen Fragestellungen einzuhalten sind. 

 

Für die Fragestellung der Findung und Errichtung eines Atommüllendlagers sind klar definierte Vorgaben der IAEA erarbeitet worden. Diese Vorgaben betreffen auch die geologischen Anforderungen an den zu prüfenden Standort für eine solche Einrichtung.

 

Es wird durch die IAEA gefordert, dass keine seismische Bewegung größer 5 Mw auf der oben offenen Richterskala für diesen Standort zu erwarten ist.

 

Für die Standorte im Bereich Lüttich, Malmedy und Bastone ist dies nicht sichergestellt. In diesen Bereichen sind mehrere Erdbeben dokumentiert, welche diesen Wert überschritten haben.

 

Seismische Problematik in Ostbelgien

Erdbeben, Belgien, seismische Aktivität, Seiemogramme in Echtzeit

Die königliche Sternwarte - Abteilung Seismologie-Gravimetrie - zeichnet alle seismischen Aktivitäten auf und stellt ebenso die Daten von den zurückliegenden seismischen Aktivitäten der letzten Jahrzehnte zur Verfügung.

 

In Echtzeit werden die seismischen Aktivitäten innerhalb Belgien hier bereitgestellt:

https://seismologie.be/de

 

 Die für Ostbelgien relevante Station liegt in Membach. Dort ist gut zu sehen, dass die Erde nie still ist. Auf Basis dieser Daten ist Belgien in vier unterschiedliche Erdbebenzonen eingeteilt worden. Die höchste Gefahrenklasse ist vier und die geringste eins. Wie auf der unten aufgeführten Karte zu ersehen ist, befindet sich die Region von Ostbelgien in der höchsten Erdbebengefahrenzone des Königreiches.

Erdbeben, Aachen, Ostbelgien, Malmedy, Bastogne, atomarer Müll
Karte der Erdbebenzonen des Königreiches Belgiens

Diese Klassifizierung in Erdbebengefahrenzonen ist für alle Bereiche des Staates Belgien verbindlich. Dies umfasst die Vorgaben, welche statischen Anforderungen an die Errichtung von Gebäuden gestellt werden. Dies ist zum Beispiel  durch den Centre Scientifique et Technique de la Construction (CSTC) in der Baunorm EN 1998-1 festgelegt.

 

Für die Errichtung von seismisch relevanten Gebäuden, wie einem atomaren Endlager, sind diese Werte ebenso als belastbare Datenbasis anzusehen.

 

Internationales Recht für ein Atommüllendlager

Atomendmülllager, Atomaufsichtsbehörde, IAEA, BiHU

Die internationale Atomaufsichtsbehörde (IAEA), welcher Belgien zugehörig ist, gibt für die Lagerung von atomaren Brennelementen in der Veröffentlichung:

             

             IAEA SAFETY STANDARDS SERIES No. SSG-9

              SEISMIC HAZARDS IN SITE EVALUATION FOR NUCLEAR INSTALLATIONS

                                                                                                                                            SPECIFIC SAFETY GUIDE

                                                                                                                                            INTERNATIONAL ATOMIC ENERGY AGENCY VIENNA, 20

 

 vor, dass für den möglichen Standort eine untere Magnitude Mw = 5,0 nicht überschritten werden sollte.

Erdbeben, Ardennen, BiHU
Copyright: Helmholtz-Zentrum, Deutsches GeoForschungsZentrum GFZ, D-Potsdam

In der hier aufgeführten Karte des Helmholtz-Zentrums, Deutsches GeoForschungsZentrum GFZ, D-Potsdam, wurde durch Herrn Dr. Gottfried Grünthal zusammengestellt, wie die seismische Aktivität in Mitteleuropa in den letzten 1.000 Jahren war. Für die Region von Ostbelgien sind folgende Ereignisse als signifikant einzuordnen:

 

1. Am 13. April 1992 erschütterte die Erde in Ostbelgien ein Beben mit einer Stärke von 5,9 Mw auf der Momentenmagnituden-Richterskala die Erde.

 

2. Das am 24.06.1877 in Herzogenrath verzeichnete Beben wies eine Stärke von 5,3 Mw, gemäß der Momentmagnitude auf der Richterskala aus.

 

3. Das am 18. Februar 1756 dokumentierte Beben verzeichnete eine Stärke von 6,4 Mw, gemäß der Momentmagnitude auf der Richterskala.

 

4. Das Erdbeben von 1692 mit dem Epizentrum im Bereich Malmedy wies eine Stärke von 6,4 Mw, gemäß der Momentmagnitude auf der Richterskala aus.

 

Dies stellt unserer Auffassung nach ein Ausschlusskriterium für die Standorte in Ostbelgien dar.

 

 

 

 

Geologie in Ostbelgien

BiHU, Atomendmülllager, Tabea Schröder, Geologie, RWTH, Aachen
Copyright: Lehrgruppe für Geowissenschaften Energie- & Mineralische Ressourcen, Lehrstuhl für Geologie und Paläontologie und Geologisches Institut der RWTH Aachen

Der Grund, welcher dieser seismischen Aktivität zu Grunde liegt, wurde in Zusammenarbeit mit der Lehrgruppe für Geowissenschaften Energie- & mineralische Ressourcen, vertreten durch die Geologin Frau Dr. Tabea Schröder am Lehrstuhl für Geologie und Paläontologie und Geologisches Institut der RWTH Aachen University  (Faculty of Georesources and Materials Engineering Energy & Mineral Resources Group Institute of Geology & Palaeontology RWTH Aachen University) erarbeitet:

 

Auf Basis von  drei Veröffentlichungen, welche sich mit dieser Fragestellung wissenschaftlich beschäftigt haben, wurde die geologische Betrachtung durchgeführt:

 

 

1.      The Geological and Cultural Heritage of the Caledonian Stavelot-Venn Massif, Belgium (Übersetzung: Das geologische und kulturelle Erbe des kaledonischen Stavelot-Venn-Massivs, Belgien)

Hierbei ist der Bereich Malmedy, welcher in der engeren Auswahl für einen Standort steht mit untersucht worden. Auszugsweise wird hier zitiert:

 

„In addition, the Massif has been metamorphised into greenschists (at least at its southern border), subsequently cut by a large collapse structure (the Graben of Malmedy) and is still subjected to vertical tectonic movements.“ (Annex 1,Geoherita ge (2016) 8:211–233 DOI 10.1007/s12371-015-0155-y, The Geological and Cultural Heritage of the Caledonian Stavelot-Venn Massif, Belgium Eric Goemaere & Simon Demarque & Roland Dreesen1 & Pierre-Yves Declercq)

 

Übersetzung: "Außerdem wurde das Massiv in Grünschiefer metamorphisiert (zumindest an seinem südlichen Rand), anschließend von einer großen Einsturzstruktur (dem Graben von Malmedy) zerschnitten und ist immer noch vertikalen tektonischen Bewegungen unterworfen."

 

Malmedy liegt im Malmedy Graben, einer tektonisch entstandenen Grabenstruktur, begrenzt von parallel verlaufenden Störungszonen an den Grabenschultern. Solche Strukturen stellen Schwachstellen im Gestein dar und sind durch zukünftige seismische Beben leicht zu reaktivieren.

 

2.      Seismotectonic activity in East Belgium: relevance of a major scarp and two associated landslides in the region of Malmedy (Übersetzung: "Seismotektonische Aktivität in Ostbelgien: Bedeutung einer großen Steilwand und zweier damit verbundener Erdrutsche in der Region von Malmedy")

 

Diese Untersuchung, welche u.a. durch University of Liege, Department of Geology und das Institut Department of Physical Geography durchgeführt wurden, belegen ebenso die seismische Aktivität in den Ardennen, insbesondere im Bereich Malmedy. Auszugsweise ist hier zitiert:

 

„Furthermore, the tectonics of the region are marked by the presence of the 42 km long and seismically active Hockai Fault Zone (HFZ; Ahorner, 1983; Demoulin, 1988). In contrast to the prevailing Variscan direction (i.e. N50-60°E), the HFZ is dominated by a N330°E orientation. The ruptured zone significantly marks the geomorphology of the region; Demoulin (2006) and Lecocq (2011) describe its numerous morphological expressions that can be found between the regions of Battice and Malmedy-Waimes, East Belgium (Figs 2a and 2b). In terms of seismicity, the HFZ most likely produced the historical September 18, 1692, Verviers earthquake (Ms 6 – 6.3; Camelbeeck et al., 2000; Alexandre et al., 2008) in its northern part. The 1692 earthquake predominantly affected the northern Belgian Ardennes, but is also known as the strongest historical seismic event in north-western Europe with effects perceivable from Kent in England, to the Rhineland in Germany as well as to the Champagne in France. Since the beginning of the digital instrumental recording of seismic activity, 103 smaller earthquakes with hypocentral depths ranging from 5 to 10 km could be located inside the HFZ: in 1985, a ML 2.9 event occurred in the region of Malmedy; a few years later, between 1989 and 1990, a seismic sequence (with events of ML = 1.0 – 2.4) was recorded along a 12 km long zone in the North-East of Malmedy (see epicenter locations in Fig. 2b; Camelbeeck, 1993; Lecocq, 2011; Vanneste et al., 2018).“ (Annex 2: GEOLOGICA BELGICA (2018) 21/3-4: 101-110 Seismotectonic activity in East Belgium: relevance of a major scarp and two associated landslides in the region of Malmedy Anne-Sophie MREYEN *, Alain DEMOULIN & Hans-Balder HAVENITH)

 

Übersetzung: "Außerdem ist die Tektonik der Region geprägt durch die 42 km lange und seismisch aktive Hockai Fault Zone (HFZ; Ahorner, 1983; Demoulin, 1988). Im Gegensatz zu der vorherrschenden variszischen Richtung (d.h. N50-60°E), wird die HFZ von einer N330°E-Orientierung dominiert. Die Bruchzone prägt maßgeblich die Geomorphologie der Region; Demoulin (2006) und Lecocq (2011) beschreiben ihre zahlreichen morphologischen Ausprägungen, die sich zwischen den Regionen Battice und Malmedy-Waimes, Ostbelgien (Abb. 2a und 2b) befinden. In Bezug auf die Seismizität hat die HFZ höchstwahrscheinlich das historische Erdbeben vom 18. September 1692 in Verviers (Ms 6 - 6,3; Camelbeeck et al., 2000; Alexandre et al., 2008) in ihrem nördlichen Teil verursacht. Das Erdbeben von 1692 betraf vor allem die nördlichen belgischen Ardennen, ist aber auch als das stärkste historische seismische Ereignis in Nordwesteuropa bekannt, dessen Auswirkungen von Kent in England, bis zum Rheinland in Deutschland sowie bis in die Champagne in Frankreich wahrnehmbar war. Seit dem Beginn der digitalen instrumentellen Aufzeichnung der seismischen Aktivität wurden 103 kleinere Erdbeben mit hypozentrischen Tiefen von 5 bis 10 km innerhalb der HFZ geortet: 1985 ereignete sich ein ML 2,9 in der Region von Malmedy; einige Jahre später, zwischen 1989 und 1990, wurde eine seismische Sequenz (mit Ereignissen von ML = 1,0 - 2,4) entlang einer 12 km langen Zone im Nord-Osten von Malmedy aufgezeichnet (siehe Epizentralorte in Abb. 2b; Camelbeeck, 1993; Lecocq, 2011; Vanneste et al., 2018)".

 

Die Region ist zudem geprägt durch die Hockai Fault Zone (HFZ), einer tektonischen Störungszone mit einer anderen Ausrichtung als der des Malmedy Grabens. Die HFZ bedingt zahlreiche Strukturen wie beispielsweise Erdrutsche an der Oberfläche als auch das historische Erdbeben von 1692 in Verviers, das stärkste historische seismische Beben in Nordwesteuropa mit einer Seismizität von 6-6,3. Seit diesem Ereignis gab es über 100 kleiner Erdbeben in der Region um Malmedy.

 

3.      Landscapes and Landforms of Belgium and Luxembourg, Editor: Alain Demoulin (Übersetzung: Landschaften und Landformen von Belgien und Luxemburg)

 

In diesem Buch, an dem etliche Wissenschaftler bspw. des Königlichen Belgischen Institut für Naturwissenschaften in Brüssel, der Universität Lüttich und weiterer Forschungseinrichtungen, mitgewirkt haben, steht auszugsweise Folgendes geschrieben:

 

„ […] the Hockai fault zone of NE Ardenne, whose rupture in 1692 caused one of the most violent historical earthquakes in Europe north of the Alps.”

“The Verviers earthquake likely occurred along a reactivated Variscan structure called the Hockai Fault zone (HFZ), which shows present-day microseismic activity and whose Quaternary activity is revealed by scattered geomorphological indices.”

“The Hockai Fault Zone (HFZ) (Ahorner 1983; Demoulin 1988) is a major reactivated fault system of eastern Belgium that runs in a SSE-NNW direction across the NE part of the Ardenne massif and its northern foreland in the Pays de Herve […].”

“Beyond attesting the current activity of the HFZ, this seismic event was meaningful in that, combined with fault plane solutions of the largest events, the location of about 100 hypocentres clearly described the geometry of the fault and the associated mechanism. The ruptured segment extends over 12 km across the core of the Cambrian Stavelot massif, with an azimuth of N330°E and a dip of 70° to the east, steepening to nearly vertical in the upper 6 km of the crust. Most earthquakes occurred at depths between 6 and 9 km, responding to oblique fault slip with a predominant left-lateral strike-slip displacement and a subordinate normal component.”

“Recently, based on historical report analysis, the macro-seismic epicentre of another earthquake that struck east Belgium on 3 December, 1828, was located in the Hautes Fagnes area, suggesting that it might have taken place somewhere on the southern half of the HFZ (Knuts et al. 2015).”

 

Übersetzung:

„[...] die Hockai-Störungszone im Nordosten der Ardennen, deren Bruch 1692 eines der stärksten historischen Erdbeben in Europa nördlich der Alpen verursachte.“

„Das Verviers-Erdbeben ereignete sich wahrscheinlich entlang einer reaktivierten variszischen Struktur, der sogenannten Hockai-Verwerfungszone (HFZ), die heutige mikroseismische Aktivität aufweist und deren quartäre Aktivität durch verstreute geomorphologische Indizes offenbart wird."

„Die Hockai Fault Zone (HFZ) (Ahorner 1983; Demoulin 1988) ist ein großes reaktiviertes Verwerfungssystem Ostbelgiens, das in SSE-NNW-Richtung über den nordöstlichen Teil des Ardennenmassivs und sein nördliches Vorland im Pays de Herve verläuft [...]."

"Über den Nachweis der aktuellen Aktivität der HFZ hinaus war dieses seismische Ereignis insofern aussagekräftig, als dass in Kombination mit den Verwerfungsflächenlösungen der größten Ereignisse die Lage von etwa 100 Hypozentren die Geometrie der Verwerfung und den zugehörigen Mechanismus eindeutig beschrieb. Das Bruchsegment erstreckt sich über 12 km über den Kern des kambrischen Stavelot-Massivs, mit einem Azimut von N330°E und einer Neigung von 70° nach Osten, die in den oberen 6 km der Kruste fast senkrecht abfällt. Die meisten Erdbeben traten in Tiefen zwischen 6 und 9 km auf und reagierten auf eine schräge Verwerfung mit einer vorherrschenden links-lateralen Streichen-Schieben-Verschiebung und einer untergeordneten normalen Komponente."

"Kürzlich wurde das makroseismische Epizentrum eines anderen Erdbebens, das Ostbelgien am 3. Dezember 1828 heimsuchte, auf der Grundlage von Analysen historischer Berichte im Gebiet des Hohen Venns lokalisiert, was darauf hindeutet, dass es irgendwo in der südlichen Hälfte der HFZ stattgefunden haben könnte (Knuts et al. 2015)."

 

Der Ursprung des historisch seismisch stärksten Bebens in Nordwesteuropa liegt in der HFZ, die immer noch seismisch aktiv ist, belegt durch zahlreiche Strukturen an der Erdoberfläche und zahlreiche seismische Daten.

Malmedy, BiHU, Erdbeben, Ardennen, Hockai-Störungszone, Atomendmülllager, Ostbelgien
Copyright: Lehrstuhl für Geologie und Paläontologie und Geologisches Institut der RWTH Aachen University

Diese wissenschaftlichen Ausführungen von Frau Dr. Tabea Schröder belegen, dass der Bereich von Ostbelgien, insbesondere der Bereich Malmedy (gelegen im süd-westlichen Teil der HFZ, siehe vorangegangene Abbildung), welcher aktuell in der Auswahl für ein potenzielles Endlager diskutiert wird, nicht die Voraussetzungen für ein "Seismic Design of a Building containing limited radioactive inventory"  (Übersetzung: Seismische Auslegung eines Gebäudes mit begrenztem radioaktivem Inventar) bietet, welche  durch die International Atomic Energy Agency (IAEA), Wien gefordert wird.

 

 

Gemeinschaftsrecht der Europäischen Union

Die Fragestellung eines möglichen Standorts für ein atomares Endlager auf dem Staatsgebiet von Belgien wird auch durch europäischen Recht tangiert.

 

Die Richtlinie  2011/70/EURATOM des Rates vom 19. Juli 2011 über einen Gemeinschaftsrahmen für die verantwortungsvolle und sichere Entsorgung abgebrannter Brennelemente und radioaktiver Abfälle, schreibt vor, dass die EU-Mitgliedstaaten konkrete Zeitpläne für den Bau von Endlagern erarbeiten müssen. Grundsätzlich sollen die Mitgliedstaaten für die Entsorgung auf ihrem Hoheitsgebiet sorgen, können dafür aber auch kooperieren. 

Der BiHU VoG ist bisher nicht zur Kenntnis gekommen, dass Belgien bei der Kommission diesbezüglich einen Zeitplan vorgelegt hat. Ebenso liegt bisher keine Kenntnis darüber vor, inwiefern Belgien Kooperationsanfragen an andere Mitgliedstaaten der EU gerichtet hat, um diese Frage zu lösen.

Die Europäische Union hatte im Jahr 2015  diesbezüglich zum Beispiel einen Workshop über die Beteiligung der Öffentlichkeit im Bereich der Entsorgung radioaktiver Abfälle unter der Beteiligung der Abteilungen Europäischer Wirtschafts- und Sozialausschuss, Forschung und Innovation, Energie, Umwelt und Klima angeboten. 

 

Im Bereich des Betriebs der Kernreaktoren ist diese internationale Kooperation durch die Betreibergesellschaften seit Jahrzehnten etabliert. Beispielhaft sei hier genannt, die Lieferung von Kernbrennstäben aus Deutschland nach Belgien für den Betrieb des Kernreaktors Tihange. 

 

Die eher bedenklich einzuordnende Geologie und die hohe Bevölkerungsdichte von Belgien, legen den Gedanken nahe, dass im Rahmen einer interdisziplinären und mitgliedsstaatübergreifenden Beteiligung an solchen Kooperationen im EU-Raum zusammen mit anderen Mitgliedsstaaten der Union gemeinschaftliche übernationalstaatliche Lösungen erarbeitet werden könnten.

Sachstandsinformationen

Diese sorgfältig recherchierten Sachverhalte wurden in mehreren Schreiben an die Verantwortungsträger übersandt.

 

Das föderale Energieministerium, vertreten durch Frau Ministerin Frau Tinne Van de Straeten wurde am 29. Juni 2021 durch die BiHU VoG angeschrieben. Das Schreiben in deutscher Version und der übersandten niederländischen Version stehen hier als Download zur Verfügung:

Download
Deutsche Version des Schreibens der BiHU VoG an die föderale Energieministerin Frau Ministerin Tinne Van de Straeten
Schreiben an Energiemisterium_2021-06-29
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Download
Schreiben der BiHU VoG an die föderale Ministerin für Energie Frau Ministerin Tinne Van de Straeten auf Niederländisch - Original
Beschreibung der Einschätzung des möglichen Standortes für ein atomares Endlager für den Staat Belgien in der Region Ostbelgien durch die BiHU VoG
Energieministerium_Föderal NL_2021-07-09
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Tinne Van de Straeten, Energieministerium, Atomendmülllager, Doel, Tihange, C-411/17
Copyright: belgium.be, Frau Ministerin Tinne Van de Straeten, Föderales Energieministerium, Belgien

Das Büro der Ministerin hat uns am 15. Juli 2021 zu dem obigen Schreiben folgendes mitgeteilt:

 

Geachte,

 

Bedankt voor uw brief. Zoals u weet is er nog geen beslissing genomen over een definitieve locatie voor het langetermijnbeheer van het hoogactieve of langlevende radioactief afval in België. Er zijn bij uitbreiding dus ook geen concrete plannen om in Oost-België een opslagplaats voor kernafval in te richten.

 

Zo een beslissing zal altijd voorafgegaan worden door een uitgebreide studie van de veiligheid en de eventuele gezondheidseffecten en door een raadpleging van het betrokken publiek.

 

In afwachting daarvan hebben wij uw brief en haar bijlagen bezorgd aan de Nationale Instelling voor Radioactief Afval en Verrijkte Splijtstoffen (NIRAS), zodat zij hun kennis waar nodig kunnen aanvullen met de informatie die u ons bezorgde. Echter, bijlage 2 werd niet goed ontvangen. Zou u ons deze nogmaals kunne bezorgen?

 

Met vriendelijke groeten,

Lotte Buijs
Persoonlijk assistente van Minister Tinne Van der Straeten

 

Übersetzung:

"Sehr geehrter Herr,

 

Vielen Dank für Ihren Brief. Wie Sie wissen, ist noch keine Entscheidung über einen endgültigen Standort für die langfristige Entsorgung hochradioaktiver oder langlebiger Abfälle in Belgien getroffen worden. Daher gibt es auch keine konkreten Pläne für ein Atommüll-Endlager in Ostbelgien.

 

Einer solchen Entscheidung geht immer eine umfassende Untersuchung der Sicherheit und möglicher gesundheitlicher Auswirkungen sowie eine Anhörung der betroffenen Öffentlichkeit voraus.

 

In der Zwischenzeit haben wir Ihr Schreiben und seine Anhänge an die Nationale Agentur für radioaktive Abfälle und angereicherte spaltbare Materialien (ONDRAF/NIRAS) geschickt, damit diese ihr Wissen mit den von Ihnen bereitgestellten Informationen ergänzen kann. Der Anhang 2 wurde jedoch nicht gut aufgenommen. Könnten Sie es uns bitte noch einmal zusenden?

 

Mit freundlichen Grüßen,

Lotte Buijs

Persönliche Assistentin von Ministerin Tinne Van der Straeten"

DG, Deutschsprachige Gemeinschaft, Atomendmülllager, Ostbelgien
Copyright: brf.be, Senator Alexander Miesen, Deutschsprachige Gemeinschaft

Durch die BiHU VoG wurde der Vertreter des Parlaments der Deutschsprachigen Gemeinschaft in Eupen, Herr Senator Alexander Miesen am 23. April 2021 über die Problematik eines möglichen Standorts für ein Atommüllendlager im Bereich Ostbelgien informiert.

 

Dieses Schreiben ist ebenso als Download hier angeboten:

Download
Schreiben an Senator Miesen_2021-04-23.p
Adobe Acrobat Dokument 851.7 KB

Seine Antwort war wie folgt:

 

Sehr geehrter Herr Meyers,

 

besten Dank für die sehr interessanten Informationen.

 

Es ist klar, dass niemand gerne ein solches Lager vor seiner Haustüre haben möchte. Im Fall Ostbelgiens gibt es aufgrund der seismischen Aktivitäten aber einen deutlich objektiven Grund, warum ein solches Lager in unserer Region unmöglich ist. Die Ministerin hat sich bisher nicht deutlich dazu positioniert, daher wird das Thema mich weiterhin beschäftigen. Ihre Infos sind dazu sehr dienlich.

 

Mit freundlichen Grüßen,

 

Alexander Miesen

 

 

 

Alexander MIESEN

Senator

der Deutschsprachigen Gemeinschaft Belgiens

 

Mitglied der Kommission für demokratische Erneuerung und Bürgerschaft

Position der BiHU VoG

 

Wir als BiHU VoG, versuchen durch eine sachgerechte Argumentation Argumente für eine Standortfindung eines Atommüllendlagers in Belgien beizusteuern.  Auf Basis unseres juristischen und geologischen Kenntnisstandes kann unserer Achtens eine Befürwortung für die Wahl eines Standortes in Ostbelgien nicht unterstützt werden, da die Anforderungen der Atomaufsichtsbehörde in Wien (IAEA) nicht einzuhalten sind und geologische Gegebenheiten in der Region von Ostbelgien existieren, die, wie die Erdbeben von 1992, 1877, 1756 und 1692 zeigten, die seismischen Voraussetzungen nicht gegeben sind, um etwas dauerhaft einzulagern, was über Millionen von Jahren keine Störungen erfahren darf. 

 

Die Geologie des Staates Belgien und die hohe Bevölkerungsdichte legen die Notwenigkeit nahe, dass Kooperationen mit anderen EU-Mitgliedsstaaten anzudenken sind, um die Frage der Findung eines Standorts für ein Atommüllendlager zu lösen.