Seen und Flüsse

Eisvogel

Alcedo atthis

BiHU Vogelführer Natur Hergenrath Eisvogel
Foto: Das Reader's Digest Buch der Vogelwelt Mitteleuropas, Verlag DAS BESTE GmbH, 1973, S. 221

Schutzstatus: ohne

Quelle: Das Reader's Digest Buch der Vogelwelt Mitteleuropas, DAS BESTE GmbH, 1973, S. 63

Wissenswertes

Ein saphirblaues Aufblitzen in der Luft — und schon hat man mit Sicherheit einen Eisvogel erkannt, der schnell, durchdringend "tiht" pfeifend, einen Flusslauf entlang fliegt oder im Tauchstoß eine Elritze aus dem Wasser holt. Meist stößt er von seinem Sitz flach ins Wasser oder rüttelt vor dem Tauchstoß. Seine Beute schlägt er gegen einen Ast, ehe er sie, den Kopf voraus, verschlingt. Wenn er einen Fisch beim Schwanz packt, verschlingt er ihn nicht, denn er müsste ersticken, da sich Flossen und Schuppen wie Widerhaken aufstellen, sondern gibt ihn den Jungen oder dem Weibchen.

 

Mit der Blauracke hat er das prächtigste Gefieder aller Vögel Mitteleuropas. Es schreckt übrigens Raubvögel von Eisvögeln ab, die sie in Ruhe lassen, da ihr Fleisch faulig schmeckt.

Außer an fließenden Gewässern sieht man sie gelegentlich ihre Nahrung auch in Teichen und großen Tümpeln und, vor allem bei strengem Winter-wetter, an der Meeresküste suchen. Wenn alle Gewässer zugefroren sind, müssen Eisvögel verhungern. Den Verlust durch den strengen Winter 1962/63 schätzt man auf 90-95 %. Inzwischen hat der Bestand zwar zugenommen, aber die alte Höhe noch nicht wieder erreicht. Wasserverschmutzung und die Begradigung von Flüssen und Bächen beeinträchtigen zusätzlich ihre Verbreitung sehr.

 

Kennzeichen

KENNZEICHEN: Oberseite glänzend blau; Unterseite hellkastanienbraun; weiße Kehle; weißer Fleck beidseitig am Hals; beide Geschlechter gleich.

 

BRUT: beide Partner graben in Uferböschungen oder Kanalwänden eine bis zu 1 m lange Brutröhre, die spärlich mit Fischgräten ausgelegt wird; Einschlupf oft an Kalkbrühe aus unverdauten Fischgräten zu erkennen, die herausläuft, nachdem die jungen geschlüpft sind; das Weibchen legt ab April bis August 6-7 glänzend weiße, fast kugelförmige Eier, die beide Eltern in 19-21 Tagen ausbrüten; die von beiden gefütterten

Jungen sind nach 23-27 Tagen flügge; brütet zweimal im Jahr.

 

NAHRUNG: vorwiegend Elritzen, Stichlinge und Gründlinge; auch Gelbrandkäfer, Libellenlarven und andere Wassertiere.

 

BiHU Vogelführer Eisvogel Natur
Foto: Das Reader's Digest Buch der Vogelwelt Mitteleuropas, Verlag DAS BESTE GmbH, 1973, S. 221

Fischadler

Pandion haliaetus

BiHU Vogelführer Natur Hergenrath Fischadler
Foto: Das Reader's Digest Buch der Vogelwelt Mitteleuropas, Verlag DAS BESTE GmbH, 1973, S. 215

Schutzstatus: ohne

Quelle: Das Reader's Digest Buch der Vogelwelt Mitteleuropas, DAS BESTE GmbH, 1973, S. 215

Wissenswertes

 Der auf den ersten Blick einem hellen Mäusebussard ähn­liche Fischadler holt sich als einziger Greifvogel seine Beute, fast ausschließlich Fische, stoßtauchend aus Seen und Flüssen. Hat er beim Such- und Rüttelflug aus der Höhe einen Fisch erspäht, stürzt er mit angelegten Schwingen und vorgestreckten Füßen ins Wasser, das aufspritzend über ihm zusammenschlägt, und greift große Fische mit beiden Fängen, die mit nadelspitzen Krallen bewehrt sind. Dabei fasst er den Fisch an beiden Seiten der Rückenlinie wie mit einer Zange, denn zwei seiner Zehen sind nach vorn, zwei nach hinten ge­richtet. Er taucht sofort wieder auf und fliegt mit seiner Beute auch dann davon, wenn sie 2 kg wiegt, also schwerer ist als er selbst (Durchschnittsgewicht: 1,5 kg). Mehrfach ist freilich ein Fischadler beim Schlagen eines zu schweren Fi­sches nicht wieder hochgekommen, sondern unter Wasser ge­zogen worden und ertrunken.

 

Abgesehen von Südamerika ist der Fischadler über die ganze Erde verbreitet. In der Bundesrepublik brütet er schon lange nicht mehr. Eine Anzahl regelmäßig besuchter Horste gibt es noch in Mecklenburg, Brandenburg, Pommern und Ostpreußen.

Als extremer Fischfresser wird er in allen dicht besiedelten Ländern verfolgt, in Westdeutschland, wo er auf dem Durch­zug erscheint, besonders an Fischteichen. Erst seit 1968 steht er das ganze Jahr über unter Schutz.

Kennzeichen

 KENNZEICHEN: von der dunkelbraunen Oberseite hebt sich die weiße, braun gefleckte Unterseite sehr ab; dunkelbrauner Seitenstreif am Kopf; lange, beim Flug deutlich angewinkelte .Flügel; beide Geschlechter gleich; Stimme: durchdringende Pfiffe.

 

BRUT: meist auf dem höchsten Wipfel eines Baumes in der Nähe eines Sees bauen beide Partner einen großen Horst aus Ästen; das Weibchen legt Ende April bis Anfang Mai meist 3 weiße, stark rotbraun gefleckte Eier, die es in etwa 35 Tagen vorwiegend allein ausbrütet; es füttert auch die Jungen, die nach 7-8 Wochen fliegen können.

 

NAHRUNG: fast nur Fische, gern Hechte und Forellen.

BiHU Vogelführer Fischadler Natur
Foto: Das Reader's Digest Buch der Vogelwelt Mitteleuropas, Verlag DAS BESTE GmbH, 1973, S. 215

Gebirgsstelze

Motacilla cinerea

BiHU Vogelführer Natur Hergenrath Gebirgsstelze
Foto: Das Reader's Digest Buch der Vogelwelt Mitteleuropas, Verlag DAS BESTE GmbH, 1973, S. 223

Schutzstatus: ohne

Quelle: Das Reader's Digest Buch der Vogelwelt Mitteleuropas, DAS BESTE GmbH, 1973, S. 223

Wissenswertes

 Diese anmutige Stelze hat eine Vorliebe für schnell flie­ßende Bäche und Flüsse. An Gebirgsbächen sieht man sie entlang flitzen, sich ab und zu auf einen Stein oder einen überhängenden Ast setzen und mit dem körperlangen Schwanz wippen, bis ein Insekt vorüber fliegt, auf das sie dann losstürzt. Sowohl im Sommer- wie im Winterkleid steht die leuchtend gelbe Unterseite der Gebirgsstelze in starkem Kontrast zu ihrem blaugrauen Rücken und dem langen Schwanz.

Sie war früher nur im Gebirge, wo man sie oft in Gesell­schaft von Wasseramseln trifft, zu Hause, hat jedoch seit der Mitte des letzten Jahrhunderts die Flüsse im Norddeutschen Tiefland besiedelt, besonders in der Nähe von Stauwehren und anderen Wassergefällen, und war 75 Jahre später bereits über Schleswig-Holstein bis nach Jütland vorgedrungen. Auch Gebirgsstelzen der Berge ziehen im Winter ins Tiefland.

 

Ihr Ruf klingt ähnlich wie das „Tzissik“ der Bachstelze, je­doch metallischer und abgehackt. Manchmal zieht sie den Doppellaut zu einem einfachen „Tit“ zusammen. Ihren Ge­sang, ein schrilles    „Tsih-tih-tih“, hört man nur selten. Beim Balzspiel läuft das Männchen dem Weibchen entgegen und zeigt in Imponierstellung seine schwarze Kehle, oder es fliegt mit langsamem Flügelschlag und gefächertem Schwanz.

 

Kennzeichen

KENNZEICHEN: Oberseite blaugrau; Unterseite, Schwanzunterdecken gelb; Schwanz sonst schwarz mit weißen Kanten; Kehle beim Männchen im Sommer schwarz, im Winter weiß, beim Weibchen mehr gelblichbraun.

 

 BRUT: meist in einer Höhle nahe am Wasser baut das Weibchen ein Nest aus Moos und Gras und kleidet es mit Haaren aus; bezieht manchmal auch alte Nester von Wasseramseln oder anderen Vögeln; legt ab April bis Juni meist 5 gelbbraune, zart graubraun gesprenkelte Eier und brütet sie in 12-13 Tagen meist selbst aus; beide Eltern füt­tern die Jungvögel, die nach 12 Tagen flügge sind; brütet gelegentlich zweimal im Jahr.

 

NAHRUNG: vorwiegend Insekten, unter anderem Fliegen, kleine Käfer, Libellenlarven; auch kleine Krebstierchen und kleine Weichtiere.

BiHU Vogelführer Gebirgsstelze Natur
Foto: Das Reader's Digest Buch der Vogelwelt Mitteleuropas, Verlag DAS BESTE GmbH, 1973, S. 223

Höckerschwan

Cygnus olor

BiHU Vogelführer Natur Hergenrath Höckerschwan
Foto: Das Reader's Digest Buch der Vogelwelt Mitteleuropas, Verlag DAS BESTE GmbH, 1973, S. 198

Schutzstatus: ohne

Quelle: Das Reader's Digest Buch der Vogelwelt Mitteleuropas, DAS BESTE GmbH, 1973, S. 198

Wissenswertes

 Noch vor 30 Jahren lebten wilde Höckerschwäne auf der norddeutschen Seenplatte zwischen Ostholstein und Ostpreußen. Um diese stolzen Vögel wieder auf der Havel heimisch zu machen, wo halbdomestizierte, flugunfähige Schwäne seit dem 16. Jahrhundert gehalten worden waren, holte der Ornithologe Heinroth 1922 aus Ostpreußen 56 Eier wilder Schwäne. Zehn Jahre später brüteten bereits 50 Paare, und in den vierziger Jahren hatte sich der Bestand bis zur Oder ausgebreitet.

 

Die Tradition der Schwanenhaltung ist uralt. In England erhielten sich merkwürdige Bräuche uni die Markierung privater Schwäne. Unmarkierte Schwäne auf der Themse gehören der Königin als oberster Lehensherrin der Schwäne. Auch in Mitteleuropa brüten seit vielen Jahrzehnten halbwilde Schwäne in großen und kleinen Teichen. Seit dem 2. Weltkrieg hat die Haltung von Parkschwänen derart zu­genommen, dass viele verwilderten und sogar im bayerischen Alpenvorland, in Österreich und der Schweiz Seen und Flüsse besiedeln. In Schleswig-Holstein spricht man schon von einer Schwanenplage, so haben sie sich vermehrt.

 

Wie Singschwäne trompeten auch Höckerschwäne, nur leise und selten. Sie leben wie alle Gänsevögel in Dauerehe und strecken im Flug den Hals geradeaus. Bekannt ist ihre Droh­stellung mit S-förmig gebogenem Hals und über den Rücken hochgezogenen Flügeln.

Kennzeichen

KENNZEICHEN: weißes Gefieder; orangefarbener Schnabel mit schwar­zem Schnabelgrund und Höcker (beim Weibchen weniger ausgeprägt); langer, meist S-förmig gebogener Hals; beide Geschlechter gleich.

 

BRUT: nistet am Boden in Wassernähe; aus Zweigen und Binsen, die das Männchen heranträgt, schichtet das Weibchen einen großen Stapel auf; ab März bis Mai legt es meist 5-7 graugrüne Eier, die beide El­tern in etwa 36 Tagen ausbrüten; sie versorgen auch die Jungen, die nach 1-2 Tagen das Nest verlassen und nach ungefähr 4 Monaten fliegen können.

 

NAHRUNG: vorwiegend Wasserpflanzen, deren Sprosse, Rhizome und Samen; Gras; gelegentlich kleine Frösche, Fische und Insekten.

BiHU Vogelführer Höckerschwan Natur
Foto: Das Reader's Digest Buch der Vogelwelt Mitteleuropas, Verlag DAS BESTE GmbH, 1973, S. 198

Knäkente

Anas querquedula

BiHU Vogelführer Natur Hergenrath Knäkente
Foto: Das Reader's Digest Buch der Vogelwelt Mitteleuropas, Verlag DAS BESTE GmbH, 1973, S. 204

Schutzstatus: ohne

Quelle: Das Reader's Digest Buch der Vogelwelt Mitteleuropas, DAS BESTE GmbH, 1973, S. 204

Wissenswertes

 Nur am Prachtkleid der Erpel und an ihrer Stimme kann man Knäkenten von den ein wenig kleineren Krickenten leicht unterscheiden. Bei beiden kleinen Enten ähneln sich Erpel im Schlichtkleid (Juli—Oktober), Enten und Jungvögel sehr, abgesehen davon, dass Knäkenten etwas heller gefärbt sind. Dem melodischen ,Krilück‘ oder ,Knick` des Krickerpels entspricht ein schnarrendes ,Klerreb‘ des Knäkerpels. Beim Abflug der Knäkenten hört man oft das namensgebende "Knäk".

 

Im Winter sieht man nur Krickenten; Knäkenten als ausgespro-chene Zugvögel sind schon von November an aus Mitteleuropa verschwunden und kehren erst im März zurück. Auf ihrem mehr als 5000 km langen Frühjahrszug von Äquatorialafrika zu ihren Brutplätzen in Europa müssen Knäkenten streckenweise, besonders in romanischen Ländern, geradezu Spießruten laufen, denn wegen ihres schnellen Fluges ist die Jagd auf sie ein beliebter, weil aufregender Sport.

 

Knäkenten sind nicht so gesellig wie Krickenten und seltener in größeren Gruppen anzutreffen. Beide brüten am liebsten in dichtem Pflanzenwuchs. Die Knäkente bevorzugt offenes, übersichtliches Gelände und baut ihr Nest vornehmlich im Sumpf oder auf nassen Wiesen in Wassernähe.

Kennzeichen

KENNZEICHEN: Erpel mit gewellter brauner Brust, grauen Flanken und auf fallendem weißem Bogenstreif vom Auge zum Nacken: im Schlichtkleid der vorwiegend braun gesprenkelten Ente sehr ähnlich: beide heller als die Krickente und mit hellem Dreieck beiderseits des Schnabelgrundes.

 

BRUT: die Ente polstert ihren Nistplatz im Röhricht oder hohen Gras am Wasser mit Gräsern und Daunen aus; ab Ende April bis Mai legt sie meist 10-11 cremefarbene Eier und brütet sie in etwa 22 Tagen aus; sie versorgt auch die Küken, die bald nach dem Schlüpfen das Nest verlassen und nach 30 Tagen fliegen können.

 

NAHRUNG: Knospen, Samen, Blätter und Wurzelstückchen von Teichpflanzen; Wasserlinsen; ferner Wasserkäfer, Schnecken, Würmer, junge Fische, Fisch- und Amphibienlaich.

BiHU Vogelführer Knäkente Natur
Foto: Das Reader's Digest Buch der Vogelwelt Mitteleuropas, Verlag DAS BESTE GmbH, 1973, S. 204

Kormoran

Phalacrocorax carbo

BiHU Vogelführer Natur Hergenrath Kormoran
Foto: Das Reader's Digest Buch der Vogelwelt Mitteleuropas, Verlag DAS BESTE GmbH, 1973, S. 197

Schutzstatus: ohne

Quelle: Das Reader's Digest Buch der Vogelwelt Mitteleuropas, DAS BESTE GmbH, 1973, S. 197

Wissenswertes

Mit seinem großen Schnabel mutet der gefräßige Kormoran - er kann an einem Tage mehr als sein eigenes Körpergewicht (2-2,5 kg) an Fischen verschlingen - eher wie ein Reptil an. Unter Wasser schnellt dieser ausgezeich­nete Schwimmer, die Flügel am Körper angewinkelt, mit kräftigen Stößen seiner mit Schwimmhäuten versehenen Füße nach vorn. Den Schlund voller Fische, taucht er wieder auf, löst sich schwerfällig von der Wasseroberfläche und fliegt mit kräftigen Flügelschlägen zurück zum Nest. Dort picken die Jungen ungeduldig nach seinem Schnabel, bis er seine Beute wieder hoch würgt, so dass sie sie aus dem Rachen holen können.

Anders als bei Wasservögeln sonst wird sein Gefieder nass. Deshalb setzt er sich, ehe er wieder nach Fischen taucht, zum Trocknen mit halb ausgespreizten Flügeln auf einen Pfahl oder eine Boje. An dieser typischen Haltung erkennt man ihn schon von weitem.

 

Einst war der Kormoran weit verbreitet und zahlreich, vor allem in den seenreichen Gebieten Norddeutschlands. Als Fischereischädling wurde er jedoch überall unerbittlich ver­folgt. Die bekannteste Brutkolonie in neuerer Zeit auf der Insel Pulitz bei Rügen erlosch nach dem Krieg. In der wei­teren Umgebung brüten jedoch auch heute noch Kormorane. Außerdem erhielten sich einige Kolonien in den Niederlan­den und den österreichischen Donauauen.

Kennzeichen

KENNZEICHEN: schwarz mit grünlichem Schimmer und weißem Ge­sichtsfleck; hakenförmiger Schnabel; im Sommer weißer Fleck an den Schenkeln; sitzt in aufrechter Haltung; beide Geschlechter gleich.

 

BRUT: nistet kolonienweise auf Bäumen. besonders gern in Reiherkolo­nien; beide Partner bauen aus Knüppeln und Reisern einen Horst und kleiden ihn mit feinerem Material aus; das Weibchen legt ab April bis Juni meist 3-4 blassblaue Eier, die beide Eltern in etwa 29 Tagen aus­brüten; beide füttern die Jungen, die nach ungefähr 4 Wochen das Nest verlassen und nach etwa 8 Wochen fliegen können.

 

NAHRUNG: fast nur Fische, gern Aale, Hechte, Heringe, Barsche.

BiHU Vogelführer Kormoran Natur
Foto: Das Reader's Digest Buch der Vogelwelt Mitteleuropas, Verlag DAS BESTE GmbH, 1973, S. 197

Krickente

Anas crecca

BiHU Vogelführer Natur Hergenrath Krickente
Foto: Das Reader's Digest Buch der Vogelwelt Mitteleuropas, Verlag DAS BESTE GmbH, 1973, S. 203

Schutzstatus: ohne

Quelle: Das Reader's Digest Buch der Vogelwelt Mitteleuropas, DAS BESTE GmbH, 1973, S. 203

Wissenswertes

Außerhalb der Brutzeit veranstalten Krickenten in dichter Formation rasante Flugspiele und erinnern stark an Watvögel, wenn sie in der Luft gemeinsam ihre Kreise ziehen. Bei Gefahr starten sie, wie vom Katapult geschossen, fast senkrecht in die Luft und sind auch schon in reißendem Flug verschwunden.

Diese blitzschnelle Reaktion ist für sie lebenswichtig, denn sie halten sich meist in Gegenden mit reichem Baumbestand auf, wo sie

sich gut verstecken können, aber einen

nahenden Feind erst im letzten Augenblick bemerken. Am liebsten nisten Krickenten in entlegenen verschilften Mooren, in Süßwassersümpfen, Torfmooren, an Teichrändern und im Auwald. Sie ziehen oft einen geschützten Nistplatz zwischen Ginsterbüschen und Farnkräutern größerer Wassernähe vor. Im Winter ziehen sie an die Flussmündungen, die Schlammzonen der Küste und offene Wasserstellen im Binnenland.

 

Früher wurden viele Krickenten zur Zugzeit an

der nordfriesischen Küste in Vogelkojen gefangen, auf Sylt in den Jahren 1910-12 allein 18.594 Stück. Der prächtig gefärbte Erpel ruft im Fluge "krrick.-krrick", die Ente gibt ein kurzes hohes Quaken von sich. Beim Balzen taucht

der Erpel den Schnabel ins Wasser, hebt den Körper von der Wasserfläche ab, krümmt dann den Hals zurück und zieht den Schnabel wieder ein.

Kennzeichen

KENNZEICHEN:

Erpel oben grau mit metallisch glänzendem grünem Augenfleck,

der im Bogen zum Nacken läuft, und waagerechtem weißem

Schulterstreif; Ente braun und gelblich gefleckt; Erpel im

Schlichtkleid ähnlich, nur oben

brauner; Ente und Erpel mit grünem und schwarzem Flügelspiegel.

 

BRUT:

die Ente polstert eine Mulde zwischen dichtem Bewuchs mit trockenem

Laub, Farnkraut und Daunen aus;

ab April bis Mai legt sie meist

8-10 hellbraune, oft grünlich getönte Eier und brütet sie in etwa 21

Tagen aus; sie kümmert sich vorwiegend allein um

die Küken, die kurz nach dem Schlüpfen das Nest verlassen und nach ungefähr 23 Tagen flügge sind.

 

NAHRUNG:

Wasserpflanzen, deren Samen; Insekten, Würmer, Weichtiere.

BiHU Vogelführer Krickente Natur
Foto: Das Reader's Digest Buch der Vogelwelt Mitteleuropas, Verlag DAS BESTE GmbH, 1973, S. 203

Löffelente

Anas clypeata

BiHU Vogelführer Natur Hergenrath Löffelente
Foto: Das Reader's Digest Buch der Vogelwelt Mitteleuropas, Verlag DAS BESTE GmbH, 1973, S. 207

Schutzstatus: ohne

Quelle: Das Reader's Digest Buch der Vogelwelt Mitteleuropas, DAS BESTE GmbH, 1973, S. 207

Wissenswertes

Während die Löffelente schnell an einer seichten Stelle planktonreicher Gewässer des Flachlandes paddelt, schiebt sie ihren großen,

löffelartigen Schnabel, nach dem sie heißt, im Wasser oder in dünnem Schlick gründelnd vor sich her und seiht die dabei gefangenen kleinen Pflanzen und Lebewesen aus dem Wasser. Im Gegensatz zu den meisten anderen Gründelenten

tunkt sie bei der Nahrungssuche selten den Vorderkörper ins Wasser. Bei Gefahr taucht sie jedoch gelegentlich ganz unter.

 

Auf dem Lande sind Löffelenten schwerfällig und sehen mit ihren mächtigen Schnäbeln ziemlich kopflastig aus. Dabei sind sie geschickte

Flieger, vor allem im Frühjahr, wenn der Erpel mit rauem "tuk-tuk-tuk" hinter der Ente herjagt, die einen quakenden Doppellaut von sich gibt. Außerhalb der Brutzeit sind beide jedoch meist recht schweigsam.

 

Löffelenten sind in ganz Mitteleuropa verbreitet, aber aus Mangel an geeigneten Nistplätzen meist nur lokal und viel lückenhafter als Krick- und Knäkenten, wenn auch regelmäßiger als Spießenten. Am liebsten brüten sie in Sümpfen oder auf nassen Wiesen mit guter Deckung, manchmal auch an offeneren Seen, wenn sie dort im flachen, schlickigen Wasser ausreichend

Nahrung finden. Im 'Winter suchen sie dann fast alle flachen Binnengewässer auf.

Kennzeichen

KENNZEICHEN: großer Schnabel und hellbrauner Fleck am Vorderflügel; der Kopf des Erpels ist dunkelgrün, die Brust weiß und die Flanken kastanienbraun; Ente an der Unterseite braun gefleckt wie der im

Schlichtkleid (Mai bis Dezember) ähnliche, etwas dunklere Erpel.

 

BRUT: die Ente polstert eine tiefe Mulde im trockenen Boden mit Gräsern und Daunen aus; die umstehenden Grashalme bilden manchmal ein Zeltdach; sie legt ab April bis Mai meist 8-12 hellbraune oder grüne Eier und brütet sie in etwa 24 Tagen aus; die von ihr versorgten Küken verlassen kurz nach dem Schlüpfen das Nest und sind nach 40 Tagen flügge.

 

NAHRUNG: Plankton (Insekten, deren Larven, kleine Krebstiere und Mollusken) gemischt mit Samen, Knospen und Blättern von Wasserpflanzen.

BiHU Vogelführer Löffelente Natur
Foto: Das Reader's Digest Buch der Vogelwelt Mitteleuropas, Verlag DAS BESTE GmbH, 1973, S. 207

Tafelente

Aythya ferina

BiHU Vogelführer Natur Hergenrath Tafelente
Foto: Das Reader's Digest Buch der Vogelwelt Mitteleuropas, Verlag DAS BESTE GmbH, 1973, S. 209

Schutzstatus: ohne

Quelle: Das Reader's Digest Buch der Vogelwelt Mitteleuropas, DAS BESTE GmbH, 1973, S. 209

Wissenswertes

Anders als die gründelnden Schwimmenten tauchen Tafel­enten selten nur den Vorderkörper ins Wasser, sondern holen sich meist ihre Nahrung tauchend vom Grunde der Ge­wässer. Ihre zum Schwimmen und Tauchen bestimmten Beine sitzen weit hinten am Körper. Sie gehen deshalb schwerfällig und halten sich selten an Land auf. Bei Gefahr schwimmen sie lieber weg, denn wenn sie auffliegen wollen, müssen sie, wie alle Tauchenten, erst auf der Wasserfläche einen Anlauf nehmen. Sind sie erst in der Luft, dann fliegen sie schnell und meist in dichter Formation. Sie nisten im dichten Uferbe­wuchs von Binnenseen und Teichen, mitunter auch an träge fließenden Strömen. Meist sind sie schweigsam. Nur bei der Balz gibt der Erpel, während er den Kopf in die Höhe reckt und die Halsfedern plustert, gedämpfte keuchende Pfeiflaute von sich. Die Ente antwortet rau und schnarrend "köör".

 

Diese häufigsten Tauchenten Mitteleuropas verbreiteten sich in den letzten Jahrzehnten von ihren Hauptbrutgebieten östlich der Elbe nach Westen bis in die Niederlande. Am Boden­see sind sie nicht selten, und in Bayern brüten sie in großer Zahl  (fast 1000 Paare). Im Sommer versammelten sich im Ismaninger Teichgebiet schon über 20 000 Erpel zur Mauser.

Kennzeichen

KENNZEICHEN: Erpel mit kastanienbraunem Kopf, schwarzer Brust, grauem Körper, ohne den cremefarbenen Scheitel und den weißen Flü­gelfleck des Pfeiferpels; der braunen Ente mit hellem Fleck am Schna­belgrund fehlt das weiße, im Flug sichtbare Flügelband der Reiherente; Erpel im Schlichtkleid (Juli-September) ähnlich der Ente, aber grauer am Rücken.

 

BRUT: in einen mit Daunen ausgepolsterten Stapel aus Pflanzenmaterial nahe oder über dem Wasser legt die Ente Ende April bis Anfang Mai meist 6-11 grüngraue Eier und brütet sie in etwa 28 Tagen aus; die von ihr betreuten Küken können wenige Stunden nach dein Schlüpfen schwimmen und sind nach 7 1/2 Wochen flügge.

 

NAHRUNG: Wurzeln, Blätter, Triebe und Knospen von Wasserpflanzen; wenig tierische Nahrung: kleine Mollusken, Würmer, Insekten, Krebs­tiere.

BiHU Vogelführer Tafelente Natur
Foto: Das Reader's Digest Buch der Vogelwelt Mitteleuropas, Verlag DAS BESTE GmbH, 1973, S. 209

Reiherente

Aythya fuligula

BiHU Vogelführer Natur Hergenrath Reiherente
Foto: Das Reader's Digest Buch der Vogelwelt Mitteleuropas, Verlag DAS BESTE GmbH, 1973, S. 210

Schutzstatus: ohne

Quelle: Das Reader's Digest Buch der Vogelwelt Mitteleuropas, DAS BESTE GmbH, 1973, S. 210

Wissenswertes

Reiherenten haben sich in Mitteleuropa

ähnlich verbreitet wie Tafelenten. Allerdings drangen sie noch ungestümer nach Westen vor

und besiedelten erst jüngst Nordrhein-Westfalen, die Niederlande und Großbritannien. 1930 fand man sie, wie andere Neubürger unter den Entenvögeln auch, zum ersten

Mal als Brutvogel im neuangelegten Ismaninger Teichgebiet, 400 km vor ihrer Ausbreitungsfront. Heute brüten hier Dutzende, und zur Mauser

versammeln sich im Sommer bis zu 5000 Erpel. Im Winter finden sie sich in großer Zahl auf

eisfreien Gewässern ein, verstärkt durch die Gäste aus dem Norden, wo sie bis 73° nördlicher Breite brüten. Meist sieht man einige Dutzend beieinander, manchmal auch mehr, oft in

Gesellschaft von Tafelenten und Blässhühnern. Die geselligen Vögel nisten in Kolonien am Ufer von Seen, Tümpeln und kleinen Inseln, wo sie in Binsen und anderem Bewuchs Schutz finden. Sie tauchen tiefer als Tafelenten und ziehen tierische Nahrung vor, bei uns besonders die Wander- muschel, die erst in den letzten 150

Jahren sich von Osteuropa nach Großbritannien verbreitete und als Nahrungsquelle vielleicht das

Vordringen der Reiherente ermöglichte. Bei dem unkomplizierten Balzzeremoniell

lehnt der Erpel den schönen Haubenkopf zurück und lockt die Ente mit sehr zarten Pfeiftönen. Diese taucht mehrmals den Schnabel ins Wasser

und gibt einen heiser knarrenden Ruf von sich.

Kennzeichen

KENNZEICHEN: am Hinterkopf des

Erpels hängt ein Federbusch herab, seine weiße Brust sticht vom sonst

dunklen Gefieder ab: im Schlichtkleid (Mai bis Juni) ähnelt er, wenn

auch etwas dunkler gefärbt, der Ente, die einen kleineren Federbusch

hat; beide zeigen im Flug die weißen Flügelbinden.

 

BRUT: die Ente nistet nahe am Wasser auf einer mit Daunen ausgepolsterten Unterlage; Ende Mai bis Juni legt sie meist 6-14 hellgrau-grünliche Eier und brütet sie in etwa 24 Tagen aus; die Küken können nach wenigen Stunden schwimmen und tauchen und sind nach ungefähr 6 Wochen flügge.

BiHU Vogelführer Reiherente Natur
Foto: Das Reader's Digest Buch der Vogelwelt Mitteleuropas, Verlag DAS BESTE GmbH, 1973, S. 210

Schnatterente

Anas strepera

BiHU Vogelführer Natur Hergenrath Schnatterente
Foto: Das Reader's Digest Buch der Vogelwelt Mitteleuropas, Verlag DAS BESTE GmbH, 1973, S. 202

Schutzstatus: ohne

Quelle: Das Reader's Digest Buch der Vogelwelt Mitteleuropas, DAS BESTE GmbH, 1973, S. 202

Wissenswertes

In Mitteleuropa sind Schnatterenten vor allem im Osten verbreitet. Schon in Holstein und Mecklenburg sowie in Österreich, Böhmen

und der Lausitz nisten sie stellenweise sehr häufig. Sie leben nur im Tiefland, im Gebirge findet man sie nirgendswo.

In der Bundesrepublik, sieht man von                 Schleswig-Holstein ab, sind nur wenige Brutplätze bekannt. Um so erfreulicher ist es, dass sich Schnatterenten an einem künstlich geschaffenem Gewässer, nämlich den Ismaninger Kläranlagen bei München, gleich im ersten Jahr angesiedelt haben.

In rund vierzig Jahren vergrößerte sich der Bestand fortlaufend und beträgt heute 175 Paare auf einer Fläche von nicht ganz 9 km2. Von Ismaning aus sind inzwischen sechs weitere Brutplätze in Südbayern besiedelt worden.

Auf den gemeinsamen Balzplätzen kommen

die ersten Erpel schon Ende Juli an, noch ehe ihre Ruhemauser beendet ist. Im Spätsommer und im Herbst versammeln sich zuweilen Tausende von Erpeln und Enten auf kleinen Flächen zur Gemeinschaftsbalz.

An bestimmten Tagen hört man fast unun‑

terbrochen das schnarrende ,Rep‘ und das überraschend hohe Pfeifen der Erpel. Bei

keiner anderen Entenart kommt das Reiben so häufig vor, wie bei dieser. Dabei verfolgen ein oder mehrere fremde Erpel und der Ehepartner eine Ente in der Luft, und es kommt zu heftigen Kämpfen zwischen den Erpeln.

Kennzeichen

KENNZEICHEN: Erpel und Ente von

weitem graubraun; weiße Flügel‑

spiegel; Brust beim Erpel braun geweilt, bei der Ente matter; im

Schlichtkleid (Juni-Ende August) ist der Erpel dunkler, ohne wellen‑

fömige Zeichnung.

 

BRUT: die Ente polstert eine gut versteckte Bodenmulde nahe am Wasser mit trockenem Laub, Seggen und Deunen aus; sie legt im Mai

meist 8-12 gelbbraune Eier und brütet sie in etwa 28 Tagen aus, die

von ihr versorgten Küken verlassen kurz nach dem Schlüpfen das Nest

und sind nach ungefähr 7 Wochen flügge.

 

NAHRUNG: Blätter und

Wurzeln von Seggen und anderen Wasserpflanzen- ferner

kleine Schnecken und Würmer; im ganzen ähnlich wie bei der Stockente.

BiHU Vogelführer Schnatterente Natur
Foto: Das Reader's Digest Buch der Vogelwelt Mitteleuropas, Verlag DAS BESTE GmbH, 1973, S. 202

Wasseramsel

Cinclus cinclus

BiHU Vogelführer Natur Hergenrath Wasseramsel
Foto: Das Reader's Digest Buch der Vogelwelt Mitteleuropas, Verlag DAS BESTE GmbH, 1973, S. 224

Schutzstatus: ohne

Quelle: Das Reader's Digest Buch der Vogelwelt Mitteleuropas, DAS BESTE GmbH, 1973, S. 224

Wissenswertes

Die Behauptung, die Wasseramsel, der einzige Taucher unter den Singvögeln, laufe unter Wasser am Grunde eines Flussbettes, ist früher belächelt worden. Inzwischen haben Versuche jedoch bestätigt, dass sie durch die starke Strömung auf den Grund gedrückt wird, wenn sie auf Nahrungssuche mit gesenktem Kopf stromaufwärts unter Wasser läuft. Den plumpen Vogel bekommt man allerdings eher zu Gesicht, wenn er ins Wasser läuft oder lebhaft auf der Oberfläche schwimmt. Oft sitzt er eine Zeit lang auf einem Stein oder Felsen mitten in der Strömung, taucht den Kopf ins Wasser oder wiegt sich auf den Beinen, während sein zaunkönigartiger Gesang sich mit dem Plätschern des vorbeifließenden Wassers vereint.

Der häufigste Ruf des auch Wasserschwätzer genannten Vogels ist "zit-zit-zit",  gelegentlich hört man ein metallisches "klink-klink".

 

Bei der Balz reckt das Männchen seine weiße Brust heraus, verneigt sich und vibriert mit den Flügeln. Sein schwirrender Flug ist geradlinig und schnell.

Die Wasseramsel hält sich meist an schnellfließenden Gewässern des Hügellandes oder der Gebirge auf, besucht aber manchmal auch die Ufer von Gebirgsseen und ist im Winter sogar an Meeresbuchten beobachtet worden. In größerer Entfernung vom Wasser sieht man die Wasseramsel nie.

Kennzeichen

KENNZEICHEN: dunkelbraunes Gefieder mit weißer Brust; kennzeichnendes Knicksen und Eintauchen des Kopfes; beide Geschlechter gleich.

 

BRUT: fast immer auf einem Vorsprung oder in einer Spalte in Wassernähe, oft an einer Brücke oder unter einem Wasserfall bauen beide Partner meist aus Moos ein großes kugelförmiges Nest und legen es mit trockenem Laub aus; ab März bis Anfang Mai legt das Weibchen 4-5 weiße Eier und brütet sie in etwa 17 Tagen aus; die von beiden Eltern gefütterten Nestlinge sind nach ungefähr 23 Tagen flügge; brütet zweimal im Jahr.

 

NAHRUNG: Wasserkäfer, Wasserwanzen; wasserbewohnende Larven von Köcherfliegen, Libellen, Eintagsfliegen und anderen Insekten; Würmer und Kaulquappen; Elritzen und andere kleine Fische.

BiHU Vogelführer Wasseramsel Natur
Foto: Das Reader's Digest Buch der Vogelwelt Mitteleuropas, Verlag DAS BESTE GmbH, 1973, S. 224

Graugans

Anser anser

BiHU Vogelführer Natur Hergenrath Graugans
Foto: Das Reader's Digest Buch der Vogelwelt Mitteleuropas, Verlag DAS BESTE GmbH, 1973, S. 200

Schutzstatus: ohne

Quelle: Das Reader's Digest Buch der Vogelwelt Mitteleuropas, DAS BESTE GmbH, 1973, S. 200

Wissenswertes

 

Außer der eingebürgerten Kanadagans brütet in Mittel­europa als einzige Gänseart die Graugans. Sie soll sehr klug sein und eine Ehe auf Lebenszeit eingehen. Jahr für Jahr erneuert das Paar die Bindung mit der Triumphzere­monie, die ihren Namen der Imponierhaltung des Ganters und seinem weithin hörbaren Triumphgeschrei verdankt, das auch erklingt, wenn er einen Eindringling verjagt hat und zurückeilt, um die Gans zu beruhigen.

 

Die Graugans ist die Stammform unserer Hausgans, die wie diese auf das leiseste Geräusch mit einem nervösen Ge­schnatter reagiert. Sie nistet meist im Schilfgürtel von Seen. Wenn sie ihr Gelege verlässt, deckt sie die Eier mit Federn und Daunen zu.

In Mitteleuropa ist die Graugans sehr selten und vor allem auf die Gebiete östlich der Elbe beschränkt. Am dichtesten nistet sie am Neusiedler See, wo sie wie in Osteuropa einen rosa Schnabel hat statt des orangefarbenen ihrer Artgenos­sen in Deutschland, Böhmen und Polen. In jüngster Zeit sie­delte man mit Erfolg Graugänse westlich der Elbe wieder an. Die Graugänse aus Schleswig-Holstein und Dänemark ziehen im Herbst an der Nordseeküste entlang bis Holland, dann durch Frankreich ins westliche Mittelmeergebiet, nur wenige nach Nordafrika. An der Nordseeküste harren mehr als 1000 den Winter über aus; bei strengem Frost ziehen auch sie ab.

Kennzeichen

KENNZEICHEN: Rücken grau und braun gebändert; hellgrauer Vorder­flügel; orangefarbener (selten rosa) Schnabel, rosa Beine; Geschlechter gleich.

 

BRUT: baut an unzugänglichen Stellen im Röhricht ein Nest aus Blättern und Stengeln von Schilf, Rohrkolben, Binsen und anderen Wasserpflan­zen; die Gans kleidet das Nest mit Daunen aus und legt ab Ende März bis Mai 4-9 schmutzigweiße, glanzlose Eier und brütet sie in 27-29

Ta­gen aus, während das Männchen in einiger Entfernung Wache hält; die Küken verlassen nach wenigen Stunden das Nest und werden von bei­den Eltern gefüttert; nach etwa 8 Wochen beginnen sie zu fliegen.

 

NAHRUNG: Gräser, Weideunkräuter, Stauden und Wasserpflanzen.

BiHU Vogelführer Graugans Natur
Foto: Das Reader's Digest Buch der Vogelwelt Mitteleuropas, Verlag DAS BESTE GmbH, 1973, S. 224

Prachttaucher

Gavia arctica

BiHU Vogelführer Natur Hergenrath Prachttaucher
Foto: Das Reader's Digest Buch der Vogelwelt Mitteleuropas, Verlag DAS BESTE GmbH, 1973, S. 187

Schutzstatus: ohne

Quelle: Das Reader's Digest Buch der Vogelwelt Mitteleuropas, DAS BESTE GmbH, 1973, S. 187

Wissenswertes

Unter Wasser kann der Prachttaucher eine Strecke von 400 Metern zurücklegen, ehe er wieder Atem schöpfen muss.

Dafür bewegt sich dieser ausgezeichnete Schwimmer an Land recht schwerfällig. Allerdings verlässt er das Wasser fast nur zur Brutzeit, und selbst dann muss er nur ein paar Schritte zu seinem Nest tun. Beim Schwimmen hält er wie alle Tau­cher den Schnabel horizontal und nicht nach oben wie Kor­morane und Krähenscharben, denen er auf den ersten Blick etwas ähnlich sieht.

 

Während ihres geradlinigen und schnellen Fluges rufen Prachttaucher zur Brutzeit bellend: "wuk-wuk-wuk". Dann hört man sie auch laut heulen und weinerlich klagen. Vor der Paarung jagen sich die Partner auf dem Wasser, wobei das Weibchen ihren Partner gelegentlich durch einen Purzelbaum anspornt. Mit einem eigenen Balzruf fliegt das Paar dann davon.

 

In Mitteleuropa brüten Prachttaucher nur noch an einigen Seen in Pommern, Westpreußen und der Neumark, aber of­fenbar nicht mehr in Ostpreußen oder an anderen alten Brut­plätzen im Nordosten. Doch als Wintergäste und Durchzüg­ler erscheinen sie mäßig zahlreich an unseren Küsten und in geringer Zahl im Binnenlande, vor allem bei sonst strengem Frost auf großen eisfreien Gewässern.

Kennzeichen

KENNZEICHEN: die schwarze Kehle und der gestreifte Hals des Som­merkleides werden im Winter weiß; der dickere gerade Schnabel und der dunklere Rücken unterscheiden ihn dann vom Sterntaucher; beide Geschlechter gleich.

 

BRUT: baut kein ordentliches Nest; das Weibchen legt ab Mai bis Juni 2 hellgrüne oder braune, spärlich schwarz gemusterte Eier am Boden nahe am Wasser ab, ausnahmsweise auf einem Stapel Wasserpflanzen; sie werden in etwa 28 Tagen von einem oder auch beiden Partnern aus­gebrütet; die von den Eltern versorgten Jungen verlassen kurz nach dem Schlüpfen das Nest und sind nach ungefähr 9 Wochen flügge.

 

NAHRUNG: hauptsächlich Fische: Forellen, Flußbarsche, Plötzen, He­ringe, Sprotten; auch Krebstiere und Muscheln.

BiHU Vogelführer Prachttaucher Natur
Foto: Das Reader's Digest Buch der Vogelwelt Mitteleuropas, Verlag DAS BESTE GmbH, 1973, S. 187